Von Blutkonserven zu Eiterbeulen – Warum ich nächste Season Nurgle coache

Ein Rückblick auf meine Vampirsaison, die Suche nach einer neuen Herausforderung und die Frage, warum ausgerechnet ein Gott der Seuchen auf die Idee kommt, eine Mannschaft aus gefallenen Elfen zusammenzustellen.

Blut, Schweiß und jede Menge misslungene 3+ Würfe

In der vergangenen Season unserer Bloodsquare Liga habe ich die „Vlads Blutkonserven“ gecoacht.

Ein Vampirteam.

Eigentlich eine hervorragende Idee. Zumindest hatte ich das gedacht, als ich mich für diese Mannschaft entschieden hatte.

Vampire sind schließlich ausgesprochen interessante Blood Bowl Spieler. Stark, beweglich, mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet und durchaus in der Lage, den Gegner vor erhebliche Probleme zu stellen.

Leider haben sie auch ein kleines Problem.

Sie trinken Blut.

Und wenn gerade kein Gegner zur Verfügung steht, muss eben gelegentlich ein eigener Mitspieler herhalten.

Willkommen bei Bloodlust.

Im Laufe der Saison durfte ich feststellen, dass ein Vampirteam nicht nur gegen elf gegnerische Spieler antritt, sondern auch gegen seine eigenen Ernährungsgewohnheiten.

Da plant man einen schönen Angriff, überlegt sich die notwendigen Bewegungen, positioniert seine Spieler und freut sich bereits über einen möglichen Touchdown.

Und dann bekommt einer der Herren plötzlich Hunger.

Natürlich vorzugsweise genau dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.

Dazu kamen die zahlreichen 3+ Würfe.

Eigentlich eine ziemlich ordentliche Wahrscheinlichkeit. Zwei Drittel Erfolgsaussicht. Was soll da schon schiefgehen?

Erstaunlich viel, wie ich feststellen durfte.

Irgendwann entwickelt man ein merkwürdiges Verhältnis zu diesen Würfen. Man weiß, dass sie statistisch meistens gelingen sollten, und ist trotzdem überrascht, wenn es tatsächlich passiert.

Und dann waren da noch meine Thralls.

Rüstung 8+

Die armen Kerle hatten ohnehin schon ein ausgesprochen undankbares Arbeitsverhältnis. Sie mussten die gefährlichen Arbeiten erledigen, sich von den eigenen Vampiren beißen lassen und anschließend auch noch die Prügel des Gegners einstecken.

Man könnte durchaus behaupten, dass die Arbeitsbedingungen bei Vlads Blutkonserven verbesserungswürdig waren.

Unser damaliges Mannschaftsmotto lautete:

„Frisch. Warm. Freiwillig.“

Zumindest der letzte Punkt dürfte bei den Thralls auf erhebliche Zweifel gestoßen sein.

Was ich von meinen Vampiren gelernt habe

Trotz aller Widrigkeiten hat mir die Mannschaft viel Spaß gemacht.

Vampire können unglaublich viel. Mit Hypnotic Gaze lassen sich gegnerische Verteidigungen öffnen, die eigentlich ziemlich sicher erscheinen. Ihre Stärke ermöglicht interessante Blocks und ihre Beweglichkeit eröffnet immer wieder Möglichkeiten, die anderen Mannschaften schlicht nicht zur Verfügung stehen.

Allerdings muss man lernen, mit dem Risiko umzugehen.

Man muss überlegen, welche Aktionen wirklich notwendig sind, wann man lieber auf Nummer sicher geht und vor allem, wo sich die eigenen Thralls befinden.

Denn ein hungriger Vampir ohne verfügbaren Blutspender kann einen eigentlich gelungenen Spielzug sehr schnell ruinieren.

Ich habe dabei einiges gelernt.

Teilweise sogar freiwillig.

Vor allem aber hat mir diese Saison gezeigt, wie interessant es sein kann, eine Mannschaft zu spielen, deren Mechanik sich deutlich von den üblichen Teams unterscheidet.

Deshalb stand für mich irgendwann fest, dass ich in der kommenden Season etwas Neues ausprobieren möchte.

Allerdings wollte ich nicht einfach nur eine andere Mannschaft mit ähnlicher Spielweise.

Ich suchte eine neue Herausforderung.

Und so kam ich auf Nurgle.

Von Bloodlust zu Disturbing Presence

Wenn man von Vampiren auf Nurgle wechselt, könnte man meinen, dass ich eine gewisse Vorliebe für Mannschaften mit fragwürdigen hygienischen Verhältnissen entwickelt habe.

Ganz von der Hand weisen kann ich das nicht.

Aber tatsächlich reizt mich an Nurgle vor allem die völlig andere Spielweise.

Während meine Vampire häufig durch Beweglichkeit, Hypnotic Gaze und überraschende Spielzüge glänzen konnten, verfolgt Nurgle einen deutlich gemächlicheren Ansatz.

Geschwindigkeit gehört nicht unbedingt zu den herausragenden Eigenschaften dieser Mannschaft.

Eleganz auch nicht.

Dafür bekommt man kräftige Spieler, jede Menge unangenehme Fähigkeiten und die Möglichkeit, dem Gegner allein durch die eigene Anwesenheit das Leben schwer zu machen.

Anstelle von Bloodlust muss ich mich nun mit Dingen wie Foul Appearance, Disturbing Presence und einer Mannschaft beschäftigen, deren Spieler ungefähr so beweglich wirken wie ein voll beladener Getränkewagen mit festgerosteten Rädern.

Dazu kommen zu Beginn fehlende wichtige Fähigkeiten wie Block und die Notwendigkeit, die eigenen Spieler richtig zu positionieren.

Mit anderen Worten: Wieder jede Menge Möglichkeiten, Fehler zu machen.

Aber genau das macht für mich den Reiz aus.

Die Frage, welche mich als Rollenspieler beschäftigt hatte, war allerdings noch offen. Wie meine neue Mannschaft eigentlich zusammenfinden sollte.

Ich hatte eine Idee.

Und hier beginnt die etwas ungewöhnliche Geschichte meiner neuen Mannschaft.

Wie Nurgle die Elfen fand

Es heißt, selbst die Unsterblichen können der Zeit nicht entkommen.

Sie altern nicht wie die Menschen. Ihre Körper bleiben schön, ihre Erinnerungen reichen über Jahrtausende und ihre Lieder erzählen von längst vergangenen Zeitaltern.

Aber Nurgle sieht die Dinge etwas anders.

Für ihn ist Unsterblichkeit keine besondere Gabe.

Sondern eine Herausforderung.

Der Herr der Seuchen sandte  seine Späher aus.

Fliegen krochen durch Risse in Raum und Zeit. Sporen trieben durch tote Welten. Maden fraßen sich durch Jahrtausende auf der Suche nach Spielern, die stark, schnell und nahezu unsterblich waren.

Und sie wurden fündig.

Irgendwo, jenseits der bekannten Blood Bowl Stadien, in den alten Wäldern und vergessenen Reichen Mittelerdes, hatte der Herr der Seuchen seine Aufmerksamkeit auf ein Volk gerichtet, das eigentlich niemals vergehen sollte.

Die Elfen von Valinor.

Jahrtausende hatten sie überstanden. Kriege, dunkle Herrscher und den Aufstieg und Fall ganzer Königreiche.

Doch gegen einen Feind, den man weder sehen noch mit dem Schwert erschlagen konnte, waren selbst sie nicht vorbereitet.

Es begann unscheinbar.

Ein Blatt, das an einem eigentlich unsterblichen Baum verwelkte.

Ein süßlicher Geruch zwischen den Wurzeln.

Ein paar Fliegen, die dort auftauchten, wo zuvor niemals welche gewesen waren.

Dann kamen die Sporen.

Die ersten Elfen bemerkten kleine dunkle Flecken auf ihrer Haut. Wunden schlossen sich nicht mehr. Einst makellose Gesichter veränderten sich und aus den alten Hallen drangen Geräusche, die mit elfischem Gesang nicht mehr viel gemeinsam hatten.

Nurgle hatte sie gefunden.

Und er hatte Zeit.

Viel Zeit.

Langsam verwandelte er ihre Körper. Ihre einstige Schönheit wurde von Geschwüren, Pilzen und faulenden Auswüchsen verdrängt.

Doch statt sie sterben zu lassen, gewährte er ihnen seine ganz besondere Form der Unsterblichkeit.

Sie sollten weiterleben.

Und weiter verfallen.

Ein durchaus großzügiges Geschenk, zumindest aus Nurgles Sicht.

Aus Elrond wurde Elrond der Befallene.

Thranduil, einst Herrscher eines stolzen Waldreiches, wurde zu Thranduil dem Siechen.

Celebrimbor und Gil-galad teilten ihr Schicksal.

Und Glorfindel, dessen Geschichten einst von Mut und ruhmreichen Kämpfen erzählten, wurde zu etwas, das selbst die übrigen Gefallenen nur noch mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Ekel betrachteten.

Einem gewaltigen, zuckenden Berg aus Fleisch, Fäulnis und unzähligen anderen Dingen, über die man besser nicht zu lange nachdenkt.

Dem Rotspawn.

So entstanden die Gefallenen von Valinor.

Eine Mannschaft aus ehemaligen Elfen, bei denen von ihrer ursprünglichen Eleganz inzwischen nur noch wenig zu erkennen ist.

Dafür haben sie andere Qualitäten entwickelt.

Vor allem eine bemerkenswerte Fähigkeit, ihre Umgebung innerhalb kürzester Zeit unbewohnbar zu machen.

Und wie kam Griessbart dazu?

Irgendwann muss Nurgle beschlossen haben, dass seine neuen Schützlinge bereit sind.

Schließlich kann man nicht die gesamte Ewigkeit damit verbringen, in einem verfallenen Wald herumzustehen und neue Pilzkulturen zu züchten.

Es fehlte lediglich ein Trainer.

Und hier komme ich ins Spiel.

Nach meiner Zeit bei Vlads Blutkonserven suchte ich bekanntlich eine neue Herausforderung.

Offenbar hatte sich diese Nachricht herumgesprochen.

Eines Tages lag ein seltsames Schreiben vor mir.

Das Papier war feucht, roch unangenehm und bewegte sich an einigen Stellen.

Nicht gerade die Art von Post, die man gerne auf seinem Schreibtisch liegen hat.

Der Inhalt war überraschend kurz.

Man habe von meiner Erfahrung mit problematischen Spielern gehört.

Insbesondere meine Bereitschaft, Mannschaften zu coachen, deren Mitglieder gelegentlich andere Spieler beißen, wurde ausdrücklich gelobt.

Man sei deshalb zu der Überzeugung gelangt, dass ich auch für eine Mannschaft geeignet wäre, deren Spieler zwar niemanden beißen müssten, dafür aber möglicherweise während des Spiels einzelne Körperteile verlieren.

Ein Vertragsentwurf lag ebenfalls bei.

Unterschrieben war er mit einem großen, grünlichen Fleck.

Nurgle.

Nun könnte man sich fragen, weshalb ich ein solches Angebot angenommen habe.

Eine berechtigte Frage.

Vermutlich war es dieselbe geistige Verfassung, die mich zuvor dazu gebracht hatte, freiwillig Vampire zu spielen.

Jedenfalls habe ich zugesagt.

Ein Stadion als Willkommensgeschenk

Nurgle zeigte sich über meine Entscheidung offenbar erfreut.

Neben der Mannschaft stellte er uns auch ein eigenes Stadion zur Verfügung.

Natürlich kein gewöhnliches Stadion.

Der Untergrund wirkt stellenweise lebendig, aus zahlreichen Rissen sickern grünliche Flüssigkeiten und die örtliche Fliegenpopulation dürfte größer sein als die Einwohnerzahl mancher Kleinstadt.

Der eigentliche Zweck dieser Anlage ist relativ eindeutig.

Die gegnerischen Mannschaften sollen sich bereits beim Betreten des Spielfeldes fragen, ob sie hier wirklich Blood Bowl spielen möchten.

Oder lieber wieder nach Hause gehen.

Ob sich das Ganze spielerisch auszahlen wird, muss sich natürlich erst zeigen.

Neue Season, neue Probleme

Damit steht meine Entscheidung fest.

Nach einer Saison mit Vampiren werde ich künftig die Gefallenen von Valinor coachen.

Ob das eine kluge Entscheidung war?

Keine Ahnung.

Vermutlich werde ich mich schon nach den ersten Spielen darüber ärgern, dass meine neuen Spieler zu langsam sind, wichtige Blocks misslingen und der Gegner munter um meine Mannschaft herumläuft.

Bei den Vampiren habe ich mich über Bloodlust, misslungene 3+ Würfe und meine gelegentlich erstaunlich zerbrechlichen Thralls geärgert.

Bei Nurgle werde ich vermutlich feststellen, dass ein Spieler auch ganz ohne Bloodlust in der Lage ist, einen sorgfältig geplanten Spielzug zu ruinieren.

Dafür brauche ich künftig weniger Blutkonserven.

Zumindest hoffe ich das.

Meine neue Mannschaft besteht schließlich aus ehemals unsterblichen Elfen, die von einem Chaosgott zu wandelnden Brutstätten für Krankheiten und Verwesung verwandelt wurden.

Was soll da schon schiefgehen?

In diesem Sinne: Willkommen bei Bloodsquare, ihr Gefallenen von Valinor.

Mögen eure Gegner an euch verzweifeln.

Und möge Nuffle wenigstens gelegentlich ein Einsehen haben.

Praise Nuffle! Und ein freundliches Blubbern an Großvater Nurgle.

Griessbart – ehemaliger Coach von Vlads Blutkonserven, zukünftiger Trainer der Gefallenen von Valinor und offensichtlich nicht in der Lage, sich eine unkomplizierte Blood-Bowl-Mannschaft auszusuchen.